Fünf Wochen ohne Unik

Noch im März hatten wir unbeschwerte schöne Tage.

Fast fünf Wochen ist es her. Fast fünf Wochen ohne meinen Unik. Es ist immer noch ganz frisch und so nah. Ständig sehe ich ihn im Haus auf seinen Plätzen oder ich denke, er kommt gleich aus der Küche ins Wohnzimmer.
Dauert wohl noch eine Weile, bis ich es akzeptieren kann. Muss halt noch ein bisschen warten. Ob die anderen beiden, Vigo und Léon, auch trauern? Ob die die vielen Bilder von Unik sehen und erkennen, die überall im Haus an den Wänden hängen?

Ihre Gewohnheiten haben sie nicht verändert, nur Nuancen meine ich festzustellen, die etwas anders sind als vorher. Für Léon, den jüngsten, ist es, glaube ich, ein Aufstieg. Sein Selbstbewusstsein, das er auch vorher schon hatte, ist noch größer geworden. Er bewacht sein Haus nun mit noch mehr Eifer und liegt nun öfter an der Haustüre, um die Passanten mit und ohne Hund, die am Haus vorbeilaufen, besser beobachten zu können. Dazu müsst ihr wissen, dass unsere Haustüre vor allem aus Glas besteht, durchsichtiges klares Glas, so dass wer reinschaut gleich sieht, wer drinnen auf ihn wartet. Zu Oskars Zeiten war das noch viel imposanter und Oskar, Deutscher Schäferhund ganz in schwarz, hatte seinen bevorzugten Platz stets auf dem Treppenpodest unmittelbar vor der Haustüre. Auch im Garten geht Léon stets am Zaun entlang, der immerhin 70 Meter lang ist, um genau zu beobachten, was dahinter vor sich geht. Aber an sich ist er doch ein kleiner lustiger Kerl, der viel Blödsinn im Kopf hat und mich wirklich sehr erfreut! Gerade liegt er vor der geschlossenen Küchentüre und wartet geduldig auf den Augenblick, dass die Türe aufgeht, und er seine Neugier befriedigen kann, indem er eine Runde dreht und seine Nase hoch oben trägt, um auf der Anrichte liegende Speisen wenigstens gedanklich schon mal einsaugen zu können.

Die Türe ging gerade eben auf, er drehte seine Runde, interessiert wohl doch nicht so arg und nun liegt es auf „seinem“ Sofa. Da war er auch vor dem Ereignis mit Unik schon hin und wieder, aber nun ist es deutlich öfter und man kann sagen, dass es nun sein Sofa ist. Auch so eine Kleinigkeit, die andes ist.

Vigo ist vielleicht ein wenig sensibler. Vorsichtiger. Bedacht darauf, nichts falsch zu machen und genau das war ja Uniks großes Thema. Unik wollte stets alles richtig machen. Vigo ist jetzt sehr häufig an meiner Seite, liegt auch jetzt direkt hinter mir auf dem Boden. So wie Unik das stets tat. Wenn ich später wieder auf das Sofa gehe, wird es nicht lange dauern und Vigo kommt zu mir um sich direkt neben mich zu legen. Das hat er zwar vorher auch schon gemacht, aber gerade liegt ihm wohl mehr daran, meine Nähe zu suchen. Unik lag dann sehr häufig vor oder neben dem Sofa oder auf der Hundematratze, die nur einen halben Meter weit entfernt liegt. Oder vor dem Sofa, das nun Léons Sofa ist und meinem genau gegenüber steht. So konnte er genau beobachten, was ich tat und sobald ich mich erhob, konnte er blitzschnell mitgehen. Wohin auch immer.
Vigo hat erst Paul und jetzt Unik gehen sehen. Ob er ahnt, dass auch ihm das unausweichlich bevorsteht? Ob Unik geahnt hat, dass es soweit ist, als er an jenem Samstag zusammenbrach und sein Herzkreislauf ihn nicht mehr mit Blut im ganzen Körper versorgen konnte?